„Schlechte Karten“ mit der „eGK“

27. Oktober 2009
Pressebericht WAZ und NRZ

„Quali-Net O.“ warnt Patienten und Ärzte vor NRW-weitem Testversuch

Im Zeitalter fortschreitender Elektronik wird der Mensch zunehmend transparenter. Unzählige Daten sind und werden erfasst – und wie zuletzt geschehen, auch missbräuchlich distribuiert. „Besonders brisant“, so Dr. Tilmann Kornadt, fachärztlicher Vorstandsvorsitzender des „Quali-Net O.“, dem Netzwerk Oberhausener Ärzte e.V., „wird es natürlich dann, wenn es um Zahlen, Daten und Fakten unserer Patienten geht. Und deshalb wehren wir uns entschieden gegen den NRW-weiten Testversuch der so genannten eGK, der online-fähigen elektronischen Gesundheitskarte.“

Fakt ist: Die NRW-Krankenversicherungen führen die Ausgabe der neuen Karten aktuell durch. Den Versicherten, so Dr. Kornadt, würden diverse Vorteile suggeriert, zum Beispiel den Zugriff jedes behandelnden Arztes auf online-gespeicherte Patientendaten. Über eventuelle Risiken und Nebenwirkungen dieses seiner und vieler Experten datenrechtlich unsicheren Mediums hingegen werde kaum oder gar nicht informiert. Noch unglaublicher sei jedoch der vielfach erfolgende Hinweis, dass man künftig nur noch mit der neuen eGK inklusive integriertem Lichtbild behandelt werde. „Nochmals: Es handelt sich hierbei um einen Test ausschließlich in NRW! Alle Patienten benötigen auch künftig Ihre bisherige Krankenversicherungskarte, wenn sie über die Landesgrenzen hinaus einen Arzt aufsuchen und behandelt werden wollen. Deshalb: Die eGK ist völlig überflüssig und birgt datenrechtliche Gefahren in sich.“

Als „klaren Bestechungsversuch“ wertet der Quali-Net O.-Vorsitzende die Nachricht der Kassenärztlichen Vereinigung, dass nur noch bis Ende Oktober die Praxen für die Anschaffung und Installation der onlinefähigen eGK-Lesegeräte mit einer Pauschale von 450 Euro gefördert würden. „Allein der Subventionsbetrag ist schon dubios, da die Geräte bei weitem nicht so viel kosten. Hier wird den Ärzten vorgegaukelt, bei einer nachträglichen Anschaffung drauf zu zahlen. Tatsächlich aber soll nur noch ein Bonus als Lockmittel übrig bleiben. Aus meiner Sicht schlicht ein Skandal, weshalb wir unseren Patienten wie Mitgliedern dringend davon abraten, sich die eGK bzw. die Lesegeräte anzuschaffen“, so Dr. Kornadt.

Quer durch alle Fachgruppen, vor allem in den organisierten Ärztenetzen, Genossenschaften und sonstigen Verbünden, seien oft einstimmige Beschlüsse gefasst worden, die neue Technik abzulehnen. Den Vorwurf mancher Krankenversicherung, dass einige Ärzte lediglich befürchteten, dass ihre Abrechnungen transparenter würden, widerlegt Dr. Kornadt binnen Sekunden: „Unsere Honorare sind pro Quartal und Patient eh gedeckelt. Dagegen laufen wir ja bereits Sturm, weil unsere Patienten das Nachsehen haben. Wir als Ärzte haben rein gar nichts zu verbergen!“

Scan des Presseberichtes

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